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Milarepa oder wie man Dämonen besiegt

DämonenEs lebte einmal vor langer, langer Zeit in einem
fernen Land ein grosser tibetischer Dichter namens
Milarepa, der jahrzehntelang studierte und meditierte.
Er zog über das Land und lehrte die Dorfbewohner,
denen er begegnete, sich in Barmherzigkeit und Mitgefühl zu üben.
Er musste viele Beschwerlichkeiten,
Schwierigkeiten und grosses Leid erdulden  –
all dies verwandelte er in seinen Pfad des Erwachens.

Endlich war die Zeit gekommen, da er zu der kleinen
Hütte zurückkehrte, die er sein Heim nannte.
Während all der Jahre seiner Reise hatte er
die Erinnerung an sie im Herzen getragen.
Als er jedoch in die Hütte eintrat, war
sie mit Feinden aller Art angefüllt.
Mit schrecklichen, furchterregenden, ungeheuerlichen Dämonen,
vor denen jedermann schleunigst Reissaus genommen hätte.
Aber Milarepa war nicht jedermann.

Er atmete dreimal langsam ein und wandte sich
den Dämonen zu, völlig gegenwärtig und bewusst.
Er blickte jeden von ihnen tief in die Augen,
verneigte sich respektvoll und sprach:
„Ihr seid jetzt hier in meiner Hütte.
Ich erweise euch Ehrerbietung und bin offen
für das, was ihr mich zu lehren habt.“

Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, waren
alle Feinde bis auf fünf an der Zahl verschwunden.
Diese, die übriggeblieben waren, waren schauerliche,
wüste, riesengrosse Ungeheuer. Milarepa verneigte
sich auf neue und begann, ihnen ein Lied vorzusingen.
Eine süsse Melodie, in welcher Liebe schwang für die
mannigfachen Weisen, in denen die Ungeheuer Leid
erfahren hatten, und Wissbegier in bezug auf das,
was ihnen ermangelte und wie er ihnen helfen konnte.
Als die letzten Töne seinen Lippen entwichen,
lösten die Dämonen sich in Luft auf.

MilarepaNun blieb nur noch eines der garstigen Geschöpfe übrig;
seine Reisszähne troffen von Unheil, aus den
Nasenlöchern loderten Flammen, und sein aufgerissenes
Maul liess einen in einen dunklen, übelriechenden
schwarzen Schlund schauen. Milarepa trat näher an
diesen riesigen Dämon heran, atmete tief in den Bauch
und sagte mit ruhigem Mitgefühl:
„Ich muss lernen, dein Leiden zu verstehen und zu wissen,
was du zu deiner Heilung brauchst.“
Darauf legte er seinen Kopf in das Maul dieses Feindes.
In diesem Augenblick verschwand der Dämon,
und Milarepa war endlich zu Hause angekommen.

Milarepa, oder wie man durch Akzeptanz und Liebe die Dämonen besiegt

Akzeptanz bedeutet nicht, dass man die Dämonen machen lässt. Es bedeutet vielmehr, dass man sie durch  Annehmen neutralisiert und so neue, erwünschte Zustände schaffen kann. Man muss nicht „die andere Wange hinhalten“, sondern sich nach dem Verstehen und der Akzeptanz dem Gewünschten zuwenden. Ich denke, dass dies die wahre Bedeutung der Aussage von Jesus ist…

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