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Kurzmitteilung

Unzeitgemäße Gedanken

Der kolumbianische Schriftsteller Nicolás Gómez Dávila (1913-1994) lebte die meiste Zeit seines Lebens in Kolumbien, ohne sich doch dort wirklich heimisch zu fühlen. Don Nicolás arbeitete in seiner Bibliothek mit mehr als 30.000 Bänden an einem Werk, das seinesgleichen sucht – ein Hagel an scharfen Gedanken, die zu Tausenden auf den Leser seiner Werke einprasseln, ein literarisches Stahlgewitter, aus dem niemand ungeschoren davonkommt.

So schreibt Till Kinzel über Nicolás Gómez Dávila und interpretiert ziemlich scharfsinnig die untenstehenen Aphorismen.

Die ,Legitimität’ ist die politische Form des Heiligen.

Die griechische Tragödie und das christliche Dogma sind reife Meditationen über das menschliche Schicksal im Vergleich zum jugendlichen Sentimentalismus der modernen Philosophie.

Der Fortschrittler triumphiert immer und der Reaktionär hat immer recht. Recht haben heißt in der Politik nicht, die Szene zu beherrschen, sondern vom ersten Akt an die Leichen des fünften vorherzusagen.

Von Thukydides bis zu seinen Nachfolgern von heute betont eine imperiale Reihe souveräner Geister, kalter und unbewegter Beobachter der Geschichte durch ihre bloße Gegenwart die unheilbare Dummheit unserer elenden Rasse.

Das Leben ist ein täglicher Kampf gegen die eigene Dummheit.

Nichts ist gefährlicher, als die Vorurteile desjenigen zu verletzen, der behauptet, er habe keine.

Wir bilden uns ein, die Geschichte zu erklären und scheitern am Geheimnis dessen, den wir am besten kennen.

Die Idee der ,freien Entfaltung der Persönlichkeit’ scheint ausgezeichnet, solange man nicht auf Individuen stößt, deren Persönlichkeit sich frei entfaltet hat.

Der Reaktionär argumentiert nicht gegen die moderne Welt in der Hoffnung, sie zu besiegen, sondern damit die Rechte der Seele nicht verjähren.

Das reaktionäre Denken sichert seinen Adepten keinerlei Erfolg, es bewahrt sie lediglich davor, Dummheiten von sich zu geben.

Von allen Despotismen ist derjenige der Wahrheit der grauenhafteste. Welche Vorwände kann man ersinnen, um ihn zurückzuweisen? Welche Rechtfertigung lässt sich für unseren Widerstand finden?

Die geistigen Kriege werden nicht von den regulären Truppen, sondern von den Freischärlern gewonnen.

Dass Nicolás Gómez Dávila ein sehr interessanter Philosoph ist, belegen auch weitere Zitate aus Wikipedia:

  • „Der Mensch ist nur wichtig, wenn Gott zu ihm spricht und während Gott zu ihm spricht.“ Auf verlorenem Posten S.130
  • „Es gibt keine Dummheit, an die der moderne Mensch nicht imstande wäre zu glauben, sofern er damit nur dem Glauben an Christus ausweicht.“ Einsamkeiten S.65
  • „Außer Gott gibt es nichts, worüber klugerweise ernsthaft gesprochen werden muss.“ Aufzeichnungen des Besiegten S.52
  • „Das Denken kann die Idee von Gott umgehen, wenn es sich darauf beschränkt, subalterne Probleme zu meditieren.“ Aufzeichnungen des Besiegten S.40
  • „Die Kulturen verdorren, wenn ihre religiösen Bestandteile sich in nichts auflösen.“ Auf verlorenem Posten S.49
  • „Wo das Christentum verschwindet, erfinden Habsucht, Neid und Geilheit tausend Ideologien, um sich zu rechtfertigen.“ Aufzeichnungen des Besiegten S.101
  • „Wenn der Mensch sich nicht von den Göttern in Zucht nehmen lässt, nehmen ihn die Dämonen in Zucht.“ Einsamkeiten S.105
  • „Der moderne Klerus glaubt, den Menschen näher an Christus heranzuführen, wenn er dessen Menschtum betont. – Er vergißt, dass wir Christus nicht vertrauen, weil er Mensch ist, sondern weil er Gott ist.“ Aufzeichnungen des Besiegten S.91
  • „Der größte moderne Irrtum besteht nicht in der These vom toten Gott, sondern im Glauben, dass der Teufel tot ist.“ Einsamkeiten S.25
  • „Das Böse kann nicht siegen, wo das Gute nicht schal geworden ist.“ Auf verlorenem Posten S.239
  • „Der Teufel kann ohne die leichtfertige Kollaboration der Tugenden nichts ausrichten.“ Auf verlorenem Posten S.147
  • Was anzieht, selbst sexuell, ist weniger ein nackter Körper als eine Fleisch gewordene Seele.“ Es genügt, dass die Schönheit unseren Überfluss streift (S.18)
  • „Die Zivilisation geht ihrem Ende zu, wenn die Landwirtschaft aufhört, eine Lebensform zu sein und zur Industrie wird.“ Einsamkeiten (S.115)
  • „Der moderne Mensch nimmt bereitwillig jedes Joch auf sich, solange nur die Hand, die es aufzwingt, unpersönlich ist.“ Einsamkeiten (S.137)
  • „Nach der Tugend hat dieses Jahrhundert das Laster in Verruf gebracht. Die Perversionen sind zu Vorstadtparks geworden, in denen die Menge sich vertraut bewegt.“ Einsamkeiten (S.14)
  • „Die Dummheit bemächtigt sich mit teuflischer Leichtigkeit der Erfindung der Wissenschaft.“ Aufzeichnungen des Besiegten (S.35)

Nicolás Gómez Dávila bezeichnete sich selber als reaktionär und reaktionär bedeutet für ihn die Verbindung zu Gott oder dem Göttlichen. Er sieht das Heil im Christentum, in Glauben, Liebe, Hoffnung. Ich würde ihm zustimmen, wenn das Christentum wirklich verstanden würde. Aber so, wie es gelebt wird, ist es hauptsächlich ignorant. Und Hoffnung ist für mich – nach wie vor – gut für nichts, weil sie die Verwirklichung der Absichten in die Zukunft verlegt und Zukunft gibt es nicht. Der Glauben ist ein mentales Werkzeug, wie ich schon öfters geschrieben habe und Liebe – Wissen und Wertschätzung – ist wirklich die Lösung aller Probleme.

Die Aussagen Davilas haben eine gewisse Verwandschaft zu Julius Evola, der ebenfalls ein Traditionalist war. Sein Buch „Revolte Gegen Die Moderne“ ist absolut lesenswert und wird dem durch die Medien ignoranten Zeitgenossen eventuell die Augen öffnen.


Nicolás Gómez Dávila

Es genügt, dass die Schönheit unseren Überdruss streift…: Aphorismen
Scholien zu einem inbegriffenen Text
Das Leben ist die Guillotine der Wahrheiten. Ausgewählte Sprengsätze
Notas: Unzeitgemäße Gedanken


Julius Evola

Revolte gegen die moderne Welt


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